Am 26.10.2006 fand in Kassel in diesem Jahr das Dauerrudern des Kasseler Regattavereins statt. Es war zwar nicht mehr ganz früh im Jahr, sogar die Uhren waren schon auf die kalte Jahreszeit umgestellt, aber trotzdem konnte diese schöne Breitensportveranstaltung bei fast optimalem Wetter durchgeführt werden. Ein wenig windig war es.
Da ich sicher nicht für alle sprechen kann, möchte ich hier meine ganz persönliche Erfahrung mit diesem denkwürdigen Ereignis schildern:
Da man ja den ganzen Tag Zeit zum Abrudern seines persönlichen Pensums hat, bin ich erst gegen Mittag am Bootshaus angekommen. Wie sicher alle anderen auch, habe ich mir meine Ruderkarte auf der Terrasse abgeholt und mich umgezogen. Leider habe ich keinen mehr gesehen, dem ich meine Gesellschaft im Boot hätte aufdrängen können.
Daraufhin habe ich mir den neuen Breitensport-Einer 'RG' aus der Bootshalle geholt, mit dem ich bei der Taufe erste Erfahrungen hatte sammeln können. Damals war allerdings viel Publikum da, da hat sich das Boot noch artig benommen. (Der Ruderer wahrscheinlich auch.) Mit ein wenig Hilfe am Steg (Danke Manfred!) habe ich mich dann aufs freie Wasser gewagt.
Dass ich den Bogen mit dem exakten Gleichgewicht nicht so ganz heraus habe, hat mich das Boot deutlich spüren lassen: nach einigem Gewackel und ein paar 'Krebsen' habe ich es mit Ach und Krach bis zur Neuen Mühle geschafft um mir meinen Stempel abzuholen. Die Wende war auch mehr ein Glücksfall gewesen und ich habe mich auf den Weg in Richtung Stadt gemacht. In den letzten Jahren hatte das ja auch mit der Ruhr immer ganz gut hingehauen.
Nahe der Gärtnerplatzbrücke mochte mich das Boot dann endgültig nicht mehr. Mit einer eleganten Bewegung drehte sich der Bootskörper unter mir auf die Seite, flutete das Bootsinnere mit braunem, eiskalten Wasser und spülte den gesamten Bootsinhalt (inklusive Ruderer) in den Fluss. Danach drehte sich das Boot fast ebenso elegant wieder zurück, ließ aber den ehemaligen Ruderer als Schwimmer fluchend an seiner Seite zurück. Das Boot hatte sich mit dem guten, leckeren Fuldawasser bis zur Oberkante volllaufen lassen. An ein Wiedereinsteigen war da nicht zu denken.
Den Leuten auf der Brücke konnte so auch mal was Neues geboten werden! Ebenso dem netten Vierer, der bei uns am Verein Bescheid gab. Ich habe dann das Boot ins Schlepptau genommen, die Strömung der Fulda ausgenutzt und bin mit dem Boot unter der Brücke hindurch zum PSV-Bootssteg geschwommen. Sven und Jacqueline haben mich dort mit dem Motorboot (doch ein Rettungsboot) eingesammelt, mir das Boot abgenommen und mich unter die Dusche geschickt. Die habe ich dann auch genossen.
Ein kleiner Tipp am Rande für alle, die sich etwas zum Trinken mit ins Boot nehmen: Trinkt auch etwas! Zumindest soviel, dass ein ordentlicher Schluck Luft in die Flasche kommt! Natürlich hatte ich das nicht getan, deshalb liegt meine Trinkflasche jetzt auch auf dem Grund der Fulda! Sonst wäre sie geschwommen und ich hätte sie mit einsammeln können. Eine neue RGK-Mütze werde ich auch brauchen. Pech auch!
Eine Medaille für eine fast halbe Strecke gab es natürlich nicht. Holger Römer scheint da wohl unbestechlich zu sein. Vielleicht nehme ich im nächsten Jahr wieder einen neuen Anlauf, aber einen Einer werde ich dann wohl eher nicht fahren. Welcher risikobereite Ruderer hat Lust mich mitzunehmen?
(Autor: Erik Berweger)