Die Fuldapromenade wird wieder abgebaut - 01.04.2010

Viele unserer Mitbürger und Mitbürgerinnen werden sich schon gewundert haben, dass am Auedamm noch immer so viele Baufahrzeuge stehen. Der Fuldauferweg ist schließlich seit Dezember 2009 fertiggestellt und wurde noch vor Weihnachten feierlich eröffnet.

Noch jetzt, nicht einmal ein halbes Jahr nach der Fertigstellung, ist die Sensation perfekt: der Fuldauferweg wird wieder abgebaut!

Die Gründe

Mittlerweile ist aus der Presse hinlänglich bekannt, dass die Kassen der Stadt Kassel leer sind und keine überflüssigen Projekte finanziert werden können. Auch der Zustand der Straßen ist dramatisch: Nach dem Abtauen des Schnees des letzten Winters wurden riesige Schäden an den Kasseler Straßen sichtbar. Schlagloch reiht sich an Schlagloch, während an der Fulda bestes Baumaterial für einen Spazierweg verarbeitet wurde.

Die an der Fulda ausgegebenen Gelder lassen sich sicher nicht mehr zurückholen, aber der entstandene Schaden soll dadurch minimiert werden, dass das Baumaterial des Fuldauferwegs zur Sanierung der schlimmsten Schäden im Stadtbild verwendet wird. Schließlich wurde die Promenade so gebaut, dass alle Steine ohne Beschädigung entnommen werden können, um so einer anderen Verwendung zugeführt zu werden.

Auch die umstrittene Ausbringung von Streusalz im letzten Winter auf der Promenade kann man jetzt auch nicht mehr als Verschwendung knapper Resourcen sehen. Hier sollte schließlich die Resistenz des Baumaterials bezüglich des Streusalzes ausgiebig getestet werden, damit auf den Kasseler Straßen auch wirklich nur das Allerbeste verbaut wird. Dass dabei die Natur am Fluss ein wenig leiden muss, das sollte man wirklich hinnehmen können. Schließlich kommt die Fulda, verglichen mit der Werra, noch einigermaßen gut weg.

Reaktionen

Der Hessisch-Internationale Landesverband der Gehenden Elitären Nordhessen (H.I.L.G.E.N.), mit Sitz in der Oberen Königsstraße 1 in Kassel, bedauert dies zutiefst. Schließlich ist auf sein besonderes Engagement hin die Realisierung des, nun doch nicht finanzierbaren Projektes, betrieben worden.

Den Sportvereinen an der Fulda, die gerade erst damit beginnen konnten sich mit der neuen Situation durch den Bau des Weges anzufreunden, kommt die nun nicht mehr zu erwartende räumliche Konkurrenz mit den Mitgliedern des H.I.L.G.E.N. nicht ungelegen. In den Diskussionen, die in der Vergangenheit reichlich geführt wurden, sind auch Konfrontationen mit militanten Spaziergängern, Gassigängern, Inlineskatern, Radfahrern, Hundetrainern erwartet worden, die nun erfreulicherweise entfallen.

Die Stadt hat die große Hoffnung, dass die Optik am Fuldaufer wiederhergestellt werden kann. Sie möchte besonders die Sportvereine, deren Bootshäuser an der Fulda stehen, in die Umsetzung der anstehenden Aufgaben miteinbeziehen. Besonders die Bergung des wertvollen Baumaterials liegt der Stadt sehr am Herzen. Paletten und Container werden in der kommenden Woche am Auedamm aufgestellt, um das Material aufzunehmen.

Die Rudergesellschaft Kassel hat zeitnah einen Werterhaltungsdienst eingerichtet, um die anstehenden Arbeiten angehen zu können. Vertreter der Behörde für Fuldaumgestaltung und Landschaftsverwüstung werden beratend zur Seite stehen. Nach der erfolgreichen Bergung der Baumaterialien werden die Löcher mit dem, interessanterweise noch vorhandenen Aushub vom Bau, wieder aufgefüllt.

Die Salzausbringung im Winter sollte auch das Wachstum der Bäume und Büsche in der Nähe des Flussufers fördern. Im Sommer soll dann die Rückübersiedlung der vertriebenen Uferbewohner in Angriff genommen werden. Die Fachabteilung für Naturirritation der Kasseler Behörde für kreative Stadtumgestaltung bereitet schon Fangnetze und Fallen, sowie eine umfangreiche Schulung der Mitarbeiter vor. Die hierbei (und auch schon beim Bau der Promenade) gewonnenen Erkenntnisse sollen auch dazu verwendet werden um Bauvorhaben der öffentlichen Hand generell zu beschleunigen. Schon bei den Bauarbeiten zur neuen Autobahn A44 wird die Zusammenarbeit mit der Kasseler Behörde von unschätzbarem Vorteil sein.

Es wurde die Hoffnung geäußert, dass im Verlauf des Sommers schnell wieder Gras über die ganze Angelegenheit wächst. Im kommenden Jahr stehen in Kassel Wahlen an, deren Ausgang nicht von den Ereignissen beeinflusst werden sollen.

Autor: Erik Berweger